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Dr. Fritz von Mannstein

   

 


 

Satire und Porträt

  1. Fritz von Mannstein ist ein „Homo sui generis“. Er hat die Juristischen Lehrgänge Dr. von Mannstein und Kollegen gegründet und ist seit 50 Jahren als freiberuflicher Repetitor und Rechtsanwalt „on the road“. Die Karikaturen auf seiner Home-Page (www.drvonmannstein.de) kennzeichnen ihn bereits perfekt. Es ist außerordentlich erstaunlich und ein wahres Wunder, daß solche Unikate ohne Sauerstoff in der Weite und der Dunkelheit des Universums nicht nur existieren sondern auch Millionen Jahre überleben können, zumal er – wie Forrest Gump – ein „long distance runner“ ist. Er ist also immer „on the road“.

    Offensichtlich sind das Wunder von Kanaa vor mehr als zweitausend Jahren (aus Wasser wurde Wein) und das Wunder von Bern aus dem Jahr 1954 (Deutschland wurde Fußball-Weltmeister) auf einen einzigen Tag gefallen. Da hält sogar das Universum den Atem an, und Fritz fliegt der Draht aus der Mütze. Chapeau.

    Fritz von Mannstein ist nicht nur genial, sondern vor allem ein Überlebens-Genie, eine lebende Legende und ein zeitloses Urviech. Er lebt in seiner eigenen Welt und geht darin spazieren. Wahrscheinlich versteht er die Welt nicht mehr. Er findet sich darin aber immer noch erstaunlich gut zurecht.

    Sein Motto: Et si omnes ego non.

    Dementsprechend sind seine Kurse zur Vorbereitung auf das erste und das zweite juristische Staatsexamen "Super-Sensationell-Spektakulär“: Nach eigener Einschätzung.

    Fritz ist mit „Leib und Seele“ Repetitor. Für ihn ist das der „Traumberuf dieser Erde“. Er weiß aber, daß das nicht nur eine seltene Minder-Meinung ist, sondern daß er für diese Auffassung sogar ein „Alleinstellungs-Merkmal“ besitzt. Für alle anderen ist der Repetitor der Teufel, der ständig ins Weihwasser pißt oder der Esel, der permanent quer im Stall steht.

    Das Leben von Fritz ist eine ständige „Don Quichotterie“ mit einem permanenten Kampf gegen die Windmühlenflügel. Deshalb ist er der fitteste Repetitor seit Methusalem. Und seinen Ruf als „Fritzi, das Schloßgespenst“ hat er sich ebenfalls hart erarbeitet. Seinem auf der Home-Page veröffentlichten Lebens-Lauf kann man entnehmen, daß er eine Mumie aus der altägyptischen Grabpflege oder ein Überlebender der „Spanischen Schweinegrippe“ aus dem Jahr 1918 ist, der wie Phoenix aus der Asche mehrfach von den Toten auferstanden ist. Er könnte auch das Fossil „Tyranno-Saurus-Fritz“ sein. Das ist der kleinste aus der Familie der Dino-Saurier.

    Die vorwitzige Frage von Kursteilnehmern lautet daher: Wie lange noch? Seine Antwort: Frühestens zehn Jahre nach meinem Tod werden meine Veranstaltungen enden.

    Er ist unsterblich. Too old to Rock’n Roll. But too tough to die.

    Dennoch will er seinen endgültigen Platz in der Ausstellung „Körper-Welten“ in Las Vegas oder Berlin nicht aufgeben. Deshalb studiert er in drei Tageszeitungen die Todes-Anzeigen und prüft, ob er dabei ist. Bisher war das allerdings nicht der Fall.

  2. Für Fritz beginnt der Tag um Mitternacht. Sein „Ur-Schrei“ lautet: Nacht muß es sein, wenn Friedlands Sterne strahlen (Schiller – Wallenstein). Er glaubt, daß dadurch auch die Nacht eine Struktur hat.
    Sein Frühstück morgens um 4:00 Uhr besteht ausschließlich aus mehreren Tassen mit rabenschwarzem Espresso-Kaffee. Danach spielt er eine Runde Blitz-Schach gegen sich selbst. Er verliert immer, weil er sich dabei ständig selbst überlistet.

    „Schaffen, Machen, Tun“ ist sein Mantra. Oder: „Hart, intensiv und erfolgreich.“

    Oder: Do or die. Nur die Tat macht frei. Auf Dauer hilft nur Power. Per aspera ad astra.

    Manchmal zitiert er Goethe: „Der Worte sind genug gewechselt. Laßt mich nun Taten sehn. Während ihr nur Worte drechselt, kann etwas Nützliches geschehn.“

    Das ultimative Fazit von Fritz: Sonst kann man nur „Curry-Wurst-Designer“ oder „Schaufenster-Dekorateur“ bei Aldi werden.

  3. Fritz ist zwar mit sehr großer Empathie ausgestattet. Er hat aber auch die Durchsetzungskraft eines preußischen Bahnhofsvorstehers. Fritz ist ein ewiger Optimist. Seine Botschaft lautet aber: Optimismus des Willens - Pessimismus des Verstandes.

    Die alten Griechen sind davon ausgegangen, daß der Verstand im Zwerchfell sitzt. Viele glauben das noch heute.
    Sein Lebens-Motto geht schließlich auf Heraklit von Ephesus und fünfhundert Jahre vor Christus zurück: Panta rhei – Alles fließt. Und: Man steigt nicht zweimal in denselben Fluß. Jeden Tag eine neue Sonne.

  4. Er begrüßt seine Hörer nicht mit „Guten Morgen“, sondern mit „Auf geht es“, nachdem er vorher mit Schaum vor dem Mund durch die Scheibe der Eingangstür gesprungen ist. Dann verkündet er die Botschaft: Power up. Get up. Stand up. Ernst ist das Leben. Heiter ist die Kunst. Die Zeit ist kurz. Die Kunst ist lang. Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit.

    Manchmal verwechselt Fritz den Ablauf des Kurses mit der militärischen Grundausbildung bei der Bundeswehr, obwohl er Kriegsdienstverweigerer ist – nach dem Motto: Gelobt sei, was hart macht. Wahrscheinlich hat er zuviele Bücher über die Kriege der alten Römer und Griechen gelesen. Vae Victis.

    Schließlich beginnen die Kurse mit der Musik von den Rolling Stones, Bruce Springsteen, Tina Turner und Led Zeppelin: „Start me up“ – „Tougher than the Rest“ – „Dancing in the Dark“ – „Simply the Best“ – „Stairway to Heaven“.

    Manche Hörer seiner Kurse haben allerdings keinen Bock, sich mit Jura zu befassen. Sie wollen später Zirkuspferdchen in der Society-Manege werden. Sie kommen nur wegen der lustigen Sprüche in die Kurse und bedauern zutiefst, daß es kein Kuschel-Kurs und auch kein Arten-Schutz-Programm ist. Von Mannstein hält diese Teilnehmer seiner Kurse für Minifizenzen, Minusathleten, Schlurchtiere und Tränentiere der höchsten Schluchzklasse. Er empfiehlt ihnen deshalb, das Studium zu wechseln und zur Klippschule zu gehen. Er zitiert Aristoteles: „Den Wind können wir nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“

  5. In seinen Kursen erzählt er immer von seinen Reisen „per Anhalter durch die Galaxis“ mit den Raumschiffen „Enterprise“ und „Demon Fire“ zu den Planeten „Ultima Thule“, „LS1“ etc. Er ist ein alter Space-Cowboy, der das 55 Millionen Lichtjahre entfernte „Schwarze Loch Messier 87“ souverän umschifft hat, zwischen Mars und Venus und in den Nebeln der Milchstraße unterwegs ist – und immer schneller als das Licht. Dadurch hat er Einstein widerlegt, daß es keine schnellere Energiequelle als das Licht gibt.

    Dennoch würde er ein „Ewiges Leben“ benötigen, um diese Planeten zu erreichen. Sie sind 6,6 Milliarden und 9 Milliarden Lichtjahre entfernt. Leider ist er Atheist. Er meint aber, daß Konfuzius hilft: Danach hat jeder Mensch zwei Leben. Das zweite Leben beginnt, wenn man erkannt hat, daß das erste Leben endlich ist.

    Auch in den juristischen Kursen wird Konfuzius immer wieder zitiert: „Der Weg ist das Ziel. Der Weg entsteht, wenn man ihn geht. Und ein langer Weg beginnt mit dem ersten Schritt.“

  6. Er liebt die „Rocky-Horror-Last Picture-Show“ und spaziert mit seinen Hörern durch die Hölle, um im Neunten Kreis der Hölle Luzifer zu treffen – begleitet von Dante und Vergil.

    Dazu ertönt die Begleit-Musik von AC/DC: „Highway to Hell“ und von den Rolling Stones: „Sympathy for the Devil“. Den „Night Train to Paradise City“ hat von Mannstein niemals in Betracht gezogen.

    Er vertritt die Auffassung, daß die Gesellschaft in der Hölle sehr viel interessanter ist als im Paradies. Er freut sich besonders, daß Ozzy Osbourne dort vor einiger Zeit bereits eingetroffen ist.

    In seinem biblischen Alter hält er sich an Schopenhauer: „Das Alter ist die Heiterkeit dessen, der seine Fesseln los ist und nun ein freies Leben führt.“ Und an Horvath – abgewandelt: Eigentlich bin ich ganz anders. Jetzt komme ich endlich dazu.

  7. Der Kursablauf ist völlig unterschiedlich.

    Zur totalen Überraschung der Teilnehmer in seinen Kursen wechselt er ohne jede Überleitung das Thema und hält einen Monolog über die Aeneis von Vergil und das entsprechende Gemälde von Caravaggio: Omnia vincit amor. Er handelt dabei offensichtlich nach seiner festen Überzeugung: „Wer bin ich – und wenn ja – wieviele?“

    Natürlich fällt ihm überhaupt nicht auf, daß alle Teilnehmer seines Kurses bereits nach zwei Sätzen in einen Tief-Schlaf verfallen sind und bis zur sehnsüchtig erwarteten Pause nicht mehr aufwachen. Fritz stellt dazu lakonisch fest: Tote schlafen fest. Wer früher stirbt, ist länger tot. Gleichzeitig zitiert er Epikur: „Wenn wir da sind, ist der Tod nicht da. Wenn der Tod da ist, sind wir nicht da.“ Daraufhin wissen die Studenten und Referendare nun gar nicht mehr, ob sie sich noch innerhalb oder schon außerhalb der Erdumlaufbahn oder im Orbit auf einer Reise ins Nirwana befinden.

  8. Fritz hat auch Feinde nach dem Motto: Viel Feind. Viel Ehr.

    Only dead fish go with the flow. Er lästert allgemein über Saftlutscher, Schlaf-Schafe und Nullnummern. From zero to hero.

    Zu seinen Feinden gehören besonders die Minifizenzen und Minusathleten in der Universität. Er regt sich über die Diktatur der Unverständlichkeit, über die Bleiwüste akademischer Satzungetüme, über Neusprech, Schönsprech und Framing auf. Es ist daher verwunderlich, daß er auf dem Schloßplatz in Mannheim nicht als Ketzer verbrannt worden ist: Wie Savonarola im Jahr 1498 auf dem Marktplatz in Florenz. Nach Jahrhunderten ist die Universität offensichtlich auch nicht mehr so, wie sie einmal war.

    Vor allem sind es aber viele Tiere und die Tierschutzorganisation Peta, die Fritz gar nicht leiden kann. Er gerät in Rage und sein Blutdruck steigt auf fünfhundert, wenn er über die Kleinohrfledermaus, die Gelbbauchunke, den Lurch oder den Ochsenfrosch herzieht. Dann stößt er den Laut „Quack, Quack“ minutenlang aus, bis sein Blutdruck auf dreihundert absinkt. Und Tauben haßt er regelrecht. Sie sind für ihn ausschließlich „Ratten der Lüfte“. Sie symbolisieren weder den „Heiligen Geist“ noch den „Frieden“. In diesem Zusammenhang wird auch Picasso scharf kritisiert. Außerdem haben sie ihn vor der Bienenstraße in Heidelberg zweimal von „Kopf bis Fuß“ vollgeschissen. Offensichtlich ein traumatisches Erlebnis. Und Ochsen sind ausschließlich dazu da, ein Pfund Fleisch beizusteuern.
    Fritz würde seine Feinde gerne in die Hölle wünschen. Er fürchtet aber, daß Luzifer sie nicht reinlassen wird.

  9. Plötzlich und ohne Überleitung hält Fritz einen Kurz-Vortrag über die Frage nach dem Sein: Was ist? Was ist nicht? Was gehört dazu? Was ist Schein?

    Die Teilnehmer des Kurses fragen sich demgegenüber: Wo bin ich?

    Manchmal fallen die Hörer vor Lachen von den Stühlen. Oft herrscht Totenstille. Manchmal gerät Fritz in Rage und sein Blutdruck steigt auf dreihundert. Seine ausführliche Befragung der Hörer am Beginn des Kurses hat inquisitorische Züge. Sie ist mindestens total stressig und meistens ohne jedes Erbarmen. Und nicht wenige Teilnehmer verstecken sich unter dem Tisch.

    Falsche Antworten quittiert er ironisch mit Goethe’s Iphigenie: „Du sprichst ein großes Wort gelassen aus.“ Oder mit „Faust“: „Die Botschaft hör ich wohl. Allein mir fehlt der Glaube.“
    Oder: Die Stimmung ist wieder einmal wesentlich besser als die Leistung.
    Oder mit Jeremiah in der Wüste: „Aus tiefer Not schrei ich zu Dir. Herr, erhör mein Flehen.“
    Sehr oft wird männlichen Teilnehmern entgegnet: Irren ist männlich. Manchmal zitiert er Erich Kästner: „Irrtümer haben ihren Wert. Jedoch nur hier und da. Nicht jeder, der nach Indien fährt, entdeckt Amerika.“
    Weibliche Teilnehmer geben niemals falsche Antworten. Fritz hat sie in sein großes Herz geschlossen – keine Überraschung.

    Bei allem beruft sich Fritz auf Wilhelm Busch (Schein und Sein 1909):

    „Blüte edelsten Gemütes ist die Rücksicht; doch zuzeiten sind erfrischend wie Gewitter goldne Rücksichtlosigkeiten.“

    Manchmal, aber selten, ist Fritz von sehr guten Antworten seiner Hörer überrascht, die meistens exzellent vorbereitet sind. Dann ruft er in den Saal: Super – Sensationell – Spektakulär. Oder einfach wie die alten Griechen: Heureka oder Tallata.

    Er beendet seine Kurse immer mit den Worten: Tempora mutantur et nos in illis mutamur – Eins, zwei, drei im Brauseschritt – eilt die Zeit, wir eilen mit.
    Oder frei nach Brecht: Wir stellen fest, betroffen: Deckel zu, die Fragen offen.
    Manchmal verweist er auch auf den Mythos von Sisyphos: On the road again. Keep the ball rolling.

  10. Last not least darf nicht unerwähnt bleiben, daß die von Fritz erfundenen Falltexte nicht nur kreativ und phantastisch waren. Sie waren teilweise regelrecht „super – sensationell – spektakulär“. Nur einige Beispiele:

    Im Gemeinderat von Dolgesheim wird über die Frauenquote und die „Me-Too“-Bewegung mit der feministischen Fraktion „Veni, Vidi, Vici“ und ihren Mitgliedern Nausicaa, Circe, Penelope, Aspasia, Penthesilea, Roxane, Medea, Medusa und dem Bürgermeister Homunculus Normalis mit dem Spitznamen Nostradamus endlos diskutiert.

    Der Lehrer Minifizenz Maximus verlangt eine Hausarbeit in der Klippschule über den Monolog des Mephisto: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft.“ Die Schüler sind völlig verwirrt. Natürlich haben sie von einem solchen „Fuzzy“ noch nie etwas gehört. Sie gehen davon aus, daß es sich um einen Gut-Menschen oder Klima-Fetischisten handeln muß. Oder ist es der Glücks-Drache „Fuchur“?

    Die unendliche Geschichte des Atheisten Hippie-Happiness, der nicht mit dem Bollerwagen der Gemeinde, sondern mit einer Luxuslimousine zur Friedhofskapelle befördert und nicht auf dem Hundefriedhof außerhalb der Gemeinde Dolgesheim begraben werden will.

    Besonders fulminant war das Rock-Musical „Maria Syndrom“ und der veröffentlichte Text in der Zeitung „Glory Hallelujah“. Das Stück betrifft die jungfräuliche Geburt der unbefleckten Empfängnis durch die keusch-klerikale Novizin Ann-Marie, die Onanie des Vetters John auf der Klobrille, die Analyse des Psycho-Pathologen Henry Boys und die Geschehnisse in „Semanthas Sex-Shop“.

    Laute Proteste von einigen gottgläubigen Hörern verstummten schlagartig, als Fritz am Ende der Besprechung des Falles beiläufig darauf hinwies, daß dem „Rock Musical Maria Syndrom“ ein Fall des OVG Koblenz zugrunde lag.

    Ähnlich spektakulär war der Fall zur „Ausstellung Körperwelten“ mit den gruseligen Farbphotos. Es sollte bei der Ausstellung nicht trostlos zugehen. Es sollte keine Totengräberstimmung aufkommen. Daher sollten leicht bekleidete Damen zu Disco-Musik Schnaps und andere hochprozentige Getränke ausschenken. Für Kinder war ein Tortenwurfwettbewerb auf Plastinate geplant. Erwachsene durften mit Luftgewehren auf Plastinate schießen. An der Kasse wurden Plastinate zum Verkauf angeboten. Das Modell „Schwiegermutterschreck“ fand reißenden Absatz.

    „Lola“ war immer wieder eine bedeutende Gestalt in verschiedenen Fällen – ebenso wie Hippie-Happiness, Bona Fides, Don Carlos, Titus Andronicus, Minima Moralia und das Paar „Mutius und Medicus“.

    Lola hatte neben anderen verschiedene sexuelle Verhältnisse mit den genannten Personen und den Mitgliedern der Kommune „Freie Liebe“. Die Phantasie und Praxis von Lola kannte keine Grenzen: „Ich bin die fesche Lola und ganz auf Liebe eingestellt.“

    Schließlich das Fazit: Fritz hat meistens recht. Auch kritische Fragen der Teilnehmer des Kurses können ihn nur selten überraschen und schon gar nicht erschüttern. Im Glauben fest, lautet sein Motto.

    Er ist der letzte Mohikaner in der Biegung des Flusses.

  11. Manchmal sind „Mama oder Papa“ in den Kursen überraschend aufgetaucht, um sich zu vergewissern, ob das Urviech, der Leibhaftige, noch existiert und um sich zu überzeugen, daß sich in der Juristerei seit Jahrzehnten nichts geändert hat. Fritz hat sie sofort mit Handschlag freudig begrüßt, ihnen sofort einen Ehrenplatz in der ersten Reihe frei geräumt und ihre museale Auffassung bestätigt.

    Seinen Freunden berichtet er aus dem Leben in der Universität. Es gibt dort viel buntes Federvieh, Spurenleser, Schriftgelehrte und Reiter der Apokalypse. Außerdem existiert dort ein Club der „Unnachahmlich Lebenden“, ein Club der „Erlauchten und Erhabenen“ und ein Club der „Außerirdischen“. Man würde dort viele „Häuptlinge mit Federschmuck“ antreffen. Manche Club-Mitglieder hätten sogar eine Selbsterfahrungsgruppe auf dem Stern „Proxima Centauri“ gegründet. Niemand weiß, ob sie jemals in die Erdumlaufbahn zurückkehren werden. „Proxima Centauri“ befindet sich übrigens außerhalb unseres Sonnensystems.

    Es wird in der Universität auch viel Theater gespielt – besonders oft: „Warten auf Godot“ (Estragon und Wladimir warten jeden Tag, aber Godot erscheint nicht), „Viel Lärm um Nichts“, „Die Nashörner“ und „Endspiel“.

  12. Fritz von Mannstein ist offensichtlich ein exzellenter Kenner der Kunstgeschichte und der Literatur. Er bezieht seine fulminanten Kenntnisse meistens aus der Illustrierten „Bunte“, die im Burda-Verlag erscheint.

    Die „Bunte“ ist nach Meinung von Fritz für jeden Studenten die mit großem Abstand beste Ausbildungszeitschrift. Demgegenüber sind die juristischen Ausbildungszeitschriften JuS, Jura, NJW etc. völlig irrelevant. Nur in der Zeitschrift „Bunte“ würde ständig über Caroline von Monaco und über die Skandale von Ernst August von Hannover berichtet. „Adel verpflichtet“ – Fritz meint aber: „Adel vernichtet“, und er berichtet aus dem „Echten Leben“, daß nur diese allein relevanten Personen der Zeitgeschichte die Welt der „Stinos“ (der „Stink-Normalen“) in Aufruhr versetzen und in einen Blutsturz treiben können.

    Fritz hält es daher für unerläßlich, daß die Teilnehmer seiner Kurse diese Zeitschrift abonnieren und durcharbeiten. Dann kann man auch das schriftliche Kursmaterial von Fritz, das für jeden Hörer aus 2500 Seiten pro Jahr besteht, ungelesen in der Papier-Tonne als „Bull-Shit“ entsorgen.

  13. Völlig überraschend sind daher die folgenden Zitate. Sie sind fester Bestandteil seiner Veranstaltungen:

    „Geben Sie Gedankenfreiheit, Sire“. „Arm in Arm mit Dir will ich mein Jahrhundert in die Schranken weisen“. „Ein Augenblick gelebt im Paradiese, wird nicht zu teuer mit dem Tod gebüßt“.
    „Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute ist so nah. Lerne nur das Glück ergreifen, denn das Glück ist immer da.“
    „Am besten ist’s auch hier, wenn ihr nur Einen hört und auf des Meisters Worte schwört. Im Ganzen – haltet euch an Worte! Dann geht ihr durch die sichre Pforte zum Tempel der Gewißheit ein.“
    „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis; Das Unzulängliche, hier wird's Ereignis; Das Unbeschreibliche, hier ist's getan; Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan.“ Teilnehmer, die zu spät in den Kurs kommen, begrüßt Fritz: „Spät kommt Ihr – doch Ihr kommt! Der weite Weg, Graf Isolan, entschuldigt Euer Säumen“.

    Die völlig verwirrten Hörer fragen sich, ob es sich tatsächlich um ein juristisches Repetitorium zur Vorbereitung auf das erste und zweite Staatsexamen handelt.

    Mindestens die Kenntnis von Schiller und Goethe ist viel wichtiger, meint Fritz – im Gegensatz zu allen anderen. Manchmal erfolgt die Antwort der Kursteilnehmer im Chor: „Du sprichst ein großes Wort gelassen aus. Die Botschaft hör ich wohl. Allein mir fehlt der Glaube“. Fritz läßt sich dadurch nicht beirren, sondern verbucht es als Erfolg seiner Tätigkeit.

  14. Fritz ist Atheist – aber erstaunlich bibelfest. Hier sind einige Zitate aus seinen Kursen:

    Sein Taufspruch: Sei getreu bis in den Tod, so will ich Dir die Krone des Lebens geben. (Apokalypse des Johannes Kap 2 Vers 10)
    Weitere Beispiele: Seid männlich (fraulich) und seid stark (1. Korinther 16, 13). Das Kirchenlied von Philipp Spitta aus dem Jahr 1833: „O komm, du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein. Verbreite Licht und Klarheit. Verbanne Trug und Schein.“ Eine Sekunde später ist er bei Aristoteles: „Platon ist mein Freund. Ein besserer Freund ist die Wahrheit.“

    Die sieben Todsünden habe es ihm besonders angetan: Faulheit, Stolz, Zorn, Völlerei, Unzucht, Habsucht und Neid. Fritz referiert dann über Faulheit, Habsucht und Neid. Die anderen Todsünden kommen in seiner Erzählung nie vor.
    Jesus Christus sagt: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will Euch erquicken. (Matthäus 11, 28)
    Eine Aufforderung, sich um diejenigen besonders zu kümmern, die von ihrem Examensergebnis enttäuscht sind.

  15. Auch politisch war sein Glauben über Jahrzehnte nicht zu erschüttern und seine permanente Botschaft eindeutig – immer kurz und knapp:

    Er zitiert Montesquieu: Ich fürchte, diese kleine Erde ist das Irrenhaus der Galaxis.
    Nietzsche: Der Irrsinn ist bei einzelnen etwas Seltenes – aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel.
    Jean Jacques Rousseau: Alles entartet unter den Händen des Menschen. Der Mensch wird frei geboren, und überall ist er in Ketten.
    Hamlet: Die Zeit ist aus den Fugen.
    Mit Heinrich Heine: Wenn ich an Deutschland denke, in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht. Karl Valentin: Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es jetzt schon ist.
    Mit Dürrenmatt (Justiz): Die Justiz wohnt in einer oberen Etage, zu der die Gerechtigkeit keinen Zugang hat.

    Zu allem das abschließende Fazit von Fritz: Nieten zu Eliten. Der Urknall des ultimativen Nichts. Eines Tages gehen zwar die Lichter aus. Bis dahin machen wir das Beste draus.

    Schließlich John Lennon: Give peace a chance.

    Natürlich ist Fritz Kriegsdienst-Verweigerer. Den männlichen Militaristen in seinen Kursen hat das gar nicht gefallen. Ihr lautstarker Protest ist aber stets an einer Mauer aus Stahl zerschellt.

  16. Für Anekdoten kann sich Fritz begeistern. Er erzählt sie mit leuchtenden Augen. Vor allem aus der Zeit der alten Griechen. Diogenes von Sinope ist sein Held und überstrahlt alles. Dadurch erfahren die Teilnehmer seiner Kurse, daß es diese Epoche überhaupt gab und daß es sich nicht um Alien handelt, die Milliarden Lichtjahre auf entfernten Galaxien unterwegs sind und mit Fritz vertraulich Zwiesprache gehalten haben.

    Beispiele:
    Diogenes geht am hellichten Tage mit einer Öllampe auf den Marktplatz von Athen: Frage, warum machst Du das? Antwort: Ich suche einen Menschen.
    Diogenes schreit, das die Menschen zu ihm kommen sollen. Als sie kommen, verprügelt er sie. Frage: Warum machst Du das? Ich habe Menschen gerufen.
    Diogenes redet stundenlang auf eine Statue ein. Warum machst Du das? Ich übe die Kunst des Bettelns und bereite mich darauf vor, daß mir niemand etwas gibt.
    Diogenes wettet, daß er in Korinth, dem Platz der schönsten und teuersten Huren, die beste ohne Bezahlung bekommen kann. Zurück in Athen, die Frage: Hast Du es geschafft? Die Antwort: Ja. In der Nacht sind alle Katzen grau.

    Die Zahl der Anekdoten kann man tagelang fortsetzen. Da verblassen sogar die Geschichten aus dem „Dekameron“ von Boccaccio, über die Fritz in seinen Kursen natürlich ausführlich berichtet. Er liebt Geschichten aus der Literatur über Irrungen und Wirrungen beim Sex. Fritz meint: Das Sexistenzielle ist das Existenzielle ohne das „S“. Er sagt aber gleichzeitig, daß er von der Erinnerung lebt und glücklicherweise ein gutes Gedächtnis hat.

  17. Er doziert auch gerne über die Relativitätstheorie der Liebe: Es ist die Beziehung von Raum und Zeit = RZ2.

    Auch über die Ehe hat er ein sehr spezielles Verständnis. Ebenso wie Tucholsky meint er: Liebe macht blind. Die Ehe stellt das Sehvermögen wieder her.
    Oder: Die Ehe ist zum größten Teile verbrühte Milch und Langeweile.

  18. Auch seine Sprüche sind kurz und treffend.
    Einige Beispiele:

    Wer mit dem Teufel essen will, muß einen langen Löffel haben. Wenn der Teufel die Menschen verwirren will, schickt er einen Idealisten. Der liebe Gott hat den Professor geschaffen. Daraufhin hat der Teufel den Repetitor geschaffen und mit „Ewigem Leben“ ausgestattet. Alkohol stärkt das Verlangen und schwächt die Tat.
    Er ist so schwarz, daß der Ruß aus der Hose fällt, wenn man ihm auf die Schulter klopft. Er ist ein „Schwarz-Leibchen“. Aus einem Salzhering wird keine Forelle. Dauerschleife im Fußball: Erst haben wir kein Glück gehabt – dann kam auch noch Pech dazu. Und: Wir hatten viele tausendprozentige Chancen.
    Brown zu Snoopy: Eines Tages werden wir alle sterben. Snoopy zu Brown: Aber heute werden wir das nicht tun.
    Oder Brown zu Snoopy: Wir leben nur einmal. Snoopy zu Brown: Wer sterben nur einmal. Wir leben jeden Tag.

    Auch seine Witze in den Kursen bestehen höchstens aus 4 Zeilen.

    Beispiele: Ein Fuchs hat vier Beine. Odysseus ist ein Fuchs. Also hat Odysseus vier Beine. Die Katze hat vier Pfoten. Ein Hund hat vier Pfoten. Also ist der Hund eine Katze.
    Die Schnecke gewinnt den Wettlauf gegen die Ziege. Durch Schleimen und Schleichen kommt man schneller ans Ziel als mit Blöken und Meckern. Die Katze läuft die Treppe hinauf und hat eine Maus im Maul. Frage an die Maus: Wie geht’s? Antwort: Es geht aufwärts.

  19. Für die individuelle Vorbereitung auf die bevorstehenden Examensprüfungen hat Fritz besonders skurrile Empfehlungen, von denen er allerdings fest überzeugt ist. Natürlich sind sie für Studentinnen und Studenten getrennt.

    Den Studentinnen gibt er den wertvollen Rat, sich unmittelbar vor der Prüfung einen neuen Freund zu suchen und den alten Freund sofort zu verlassen. Too long. No risk. No fun. Und dann sofort ein paar Runden Bett-Sport zur ultimativen Entspannung. Andernfalls würde man zur „Juristischen Person“ und zum „Gegenstück des Menschen“ mutieren.
    In der mündlichen Examensprüfung empfiehlt er den meistens sehr gut aussehenden Studentinnen in seinen Kursen, sich nicht auf „Blond und Schön“ zu verlassen. Stattdessen soll man vier Stunden leicht bekleidet auf dem Prüfungstisch tanzen. Nur dadurch würde sich ein scheintoter uralter Prüfer, der die Zukunft lange hinter sich hat und sich nur noch in den juristischen Fragen der vergangenen Jahrhunderte wohlfühlt, zu minimalen Regungen veranlaßt fühlen.

    Dadurch würde auch vermieden, daß das Examensergebnis durch die Interpretation des Vogelfluges oder durch den Blick in die Glaskugel und den Kaffeesatz ermittelt wird.

    Es ist allerdings unklar, ob diese Ratschläge in den vielen Jahrzehnten jemals befolgt wurden oder zu einem besseren Examensergebnis geführt haben.

    Für die Studenten seiner Kurse hat er ganz andere, selbstverständlich völlig ernst gemeinte, Vorschläge: Sie sollen unmittelbar vor dem Examen für vier Wochen in ein Kloster gehen (z.B. Maria Laach) und dort durch intensive Selbstbetrachtungen zur inneren Einkehr finden, vor allem Demut lernen und das Schicksal akzeptieren. They were not amused.

    Fritz hat sich immer, unabhängig vom Ergebnis, über ein bestandenes Examen gefreut. Das war für ihn bereits ein großer Erfolg. „Vier gewinnt“, war sein Mantra. Riesig war seine Freude, wenn das Examensergebnis besonders gut war. Dann hat er manchmal spontan die Ode an die Freude angestimmt.

    „Brüder fliegt von Euren Sitzen, wenn der volle Römer kreist. Laßt den Schaum zum Himmel spritzen: Dieses Glas dem guten Geist.“

    War das Examensergebnis hingegen überragend, sehr gut oder gut, waren schriftliche Glückwünsche die Folge. Gleichzeitig hat Fritz mitgeteilt, daß er zur „Sieges-Party“ das Liberation Orchestra mit dem lieben Gott als Solovokalist und dem Heiligen Geist am Schlagzeug bestellt, damit sie die Symphonie des Universums spielen: Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium.

  20. Fritz ist einerseits ein Humanitas-Verehrer und ein Solitär-Diamant. Andererseits hat er auch bewiesen, daß er Studenten und Referendare, die Sport als Mord betrachten, dazu bewegen kann, an Fußball- und Tennisturnieren des Repetitoriums teilzunehmen und mit ihm einen Marathon-Lauf durchzuhalten.

    „Jauchzet. Frohlocket“: Die Juristischen Lehrgänge Dr. von Mannstein und Kollegen waren für Ihre phantastischen Feste und wunderbaren Freizeit-Veranstaltungen in allen Städten (Heidelberg, Mainz, Frankfurt, Freiburg) berühmt. Das waren wirklich spektakuläre Ereignisse.

    Rock’n Roll, Parties mit Band, Tanzveranstaltungen in der Stadthalle Heidelberg, im Amerika-Haus, im Haus einer Verbindung; in Mainz im Schloß, im Studentenhaus, im Freizeitgelände der Ziegelei; in Frankfurt in der Batschkapp; in Freiburg im Jazz-Keller. Jazz-Abende in den Jazzkellern in Mainz und Heidelberg gab es regelmäßig. Für Kneipen-Abende wurden z.B. in Heidelberg die Lokale „Schnitzelbank“ und „Vater Rhein“ gebucht – mit freien Getränken für alle. Auch die Säle des Repetitoriums wurden in allen Städten für Feste mit einer Band umfunktioniert – immer mit freien Getränken. Legendär waren auch die regelmäßigen Grillparties in allen Städten „in Wald und Natur“.

    Beispiele für die zahllosen Freizeit-Veranstaltungen: Besuch und Führung im Goethe-Haus Frankfurt; Besuch der Pferde-Rennbahn in Frankfurt Niederrad; Weinprobe an der Mosel; Skifahren in den Vogesen; Immer wieder gemeinsame Wanderungen; Gemeinsame Fahrten mit einem gemieteten Schiff auf dem Rhein und anschließend gemieteter Disco bis in den frühen Morgen; Regelmäßige Fußballturniere und Tennisturniere.

    Mit Goethe’s Faust: „Das ist des Volkes wahrer Himmel. Da jauchzet groß und klein. Hier bin ich Mensch. Hier darf ich’s sein.“

    Am nächsten Morgen begann der Kurs – wie immer um 8:00 Uhr – also kurz nach Mitternacht. Abweichend von der üblichen Frage-Stunde am Beginn des Kurses, galt die erste neugierige Frage von Fritz immer den Teilnehmerinnen: Hast Du einen neuen Freund? Die Frage wurde nicht immer entrüstet zurück gewiesen.

  21. Fritz ist wirklich speziell und manchmal besonders schwer zu begreifen: Er nimmt niemals auch nur die kleinsten Geschenke an und läßt sich auch von niemandem, absolut niemandem, einladen – nicht einmal zu einem Kaffee. Er ist insoweit total rigoros und päpstlicher als der Papst. Unglaublich. Wahn-Sinn.

    Er erklärt das mit seiner „preußischen Erziehung“, die er zu seinem Leidwesen ab dem zehnten Lebensjahr ertragen mußte. Sein Vater „Fritz“ (nach Friedrich II von Preußen – 1740 bis 1786) war „ober-preußischer“ Schulrat. Glücklicherweise hat seine Mutter, Erika von Mannstein, das Schlimmste verhindert, obwohl sie auch die Auffassung vertrat: Adel verpflichtet.

    In den 50 Jahren „on the road“ gab es nur zwei Ausnahmen.

    Fritz hat ein T-Shirt angenommen, wenn darauf Sprüche aus seinem Kurs aufgedruckt waren – als Erinnerung an die Teilnehmer des jeweiligen Jahreskurses. Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann (Jean Paul) – war seine immer wieder geäußerte Erklärung. Diese T-Shirts waren dann im Sommer sein wesentliches „Out-fit“.

    Außerdem hat er vielen Teilnehmern seiner Kurse eine Promotion dringend empfohlen und dazu unendlich viele Ratschläge erteilt: Welches Thema, bei welchem Doktor-Vater (Mama), Zeitdauer, Nebentätigkeit, welcher Verlag für den Druck etc. Auch zum Ausland hatte er sehr gute Verbindungen (Österreich, USA). Nach dem erfolgreichen Abschluß der Promotion war es „Ehrensache“, daß Fritz ein Exemplar mit persönlicher Widmung angenommen hat. Seine Freude war riesig, und er hat sich immer besonders herzlich und ausführlich bedankt. Und das Buch hat in seiner umfangreichen Bibliothek einen ausgewählten Ehrenplatz erhalten. In 50 Jahren ist es praktisch eine „selbständige Bibliothek“ geworden.

  22. Am Ende des Kurses hat sich Fritz oft mit folgenden Worten, frei nach Don Carlos, verabschiedet: Die schönen Tage von Aranjuez sind nun vorbei. Seid heiter wie zuvor. Und nicht vergebens hier gewesen.

    Und wer Fritz kennt, weiß, daß am Ende die Songs der Rolling Stones (It’s all over now), der Doors (This is the End) und von Pete Seeger (We shall overcome. We are not afraid; Turn, Turn, Turn) aufgelegt werden sollen und natürlich stets ein Gedicht den Reigen abschließen kann.

    Einige Beispiele:

    Wilhelm Busch, Schein und Sein, 1909:

    Mein Kind, es sind allhier die Dinge, gleichwohl, ob große, ob geringe, im wesentlichen so verpackt, daß man sie nicht wie Nüsse knackt.
    Wie wolltest du dich unterwinden, kurzweg die Menschen zu ergründen. Du kennst sie nur von außenwärts. Du siehst die Weste, nicht das Herz.

    Theodor Storm, Für meine Söhne:

    Hehle nimmer mit der Wahrheit! Bringt sie Leid, nicht bringt sie Reue; doch weil Wahrheit eine Perle, wirf sie auch nicht vor die Säue.
    Was du immer kannst, zu werden, Arbeit scheue nicht und Wachen; aber hüte deine Seele vor dem Karrieremachen.
    Wenn der Pöbel aller Sorte tanzet um die goldnen Kälber, halte fest: Du hast vom Leben doch am Ende nur dich selber.

    Fritz wünscht allen viel Glück in allen Lebens-Lagen und meint gleichzeitig, daß das Glück nach Sigmund Freud im Plan der Schöpfung nicht enthalten sein soll. Deshalb sollen wir uns mindestens an Schopenhauer halten: Glück ist die Abwesenheit von Un-Glück. Nichts erwarten. Auf alles vorbereitet sein.
    Und immer eine Hand-Breit Wasser unterm Kiel, wenn der Wind auf Hoher See wieder einmal schräg von vorn kommt.

    Keep your eyes to the stars and keep your feet on the ground. And always look on the bright side of life. Und immer den richtigen Schwung zwischen Sinn und Sinnlichkeit.

    Mit vielen Teilnehmern seiner Kurse hat Fritz auch danach noch intensiven Kontakt.
    Der Jahreskurs zur Vorbereitung auf das erste Staatsexamen, der Jahreskurs zur Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen, die Notenverbesserung, die Hilfestellung zur Vorbereitung der mündlichen Prüfungen, die Begleitung einer Promotion: Das war ein langer gemeinsamer Kampf.

    Motto: Keep the fight up. Kein Ende in Sicht. Noch nicht Schicht. Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag.

    Im späteren „Echten Leben“ haben viele Teilnehmer des Repetitoriums eine steile Karriere absolviert – auch dann war der Kontakt nicht immer beendet.

    Stay tuned – Keep swinging – Rock on and on. Rocking all over the Free World.
    Carpe diem et carpe noctem.